Rückenwind für großangelegte Umstellung auf Open Access

Wissenschaftsorganisationen bündeln Kräfte für Transformation des Publikationsmarkts

20. März 2017

© Max Planck Digital Library
© Max Planck Digital Library

Ein Jahr nach dem Start erhält die global angelegte Initiative OA2020 als Teil der Berliner Erklärung starken Rückhalt. Weitere internationale Wissenschaftseinrichtungen haben sich dem Ziel angeschlossen, die große Mehrheit der heute per Subskription erscheinenden Fachzeitschriften auf das Publizieren per Open Access (OA) umzustellen. Zu Beginn der 13. Berlin-Konferenz erhielt dieOA2020 weitere Unterstützung aus den USA.

Bei der 13. Berlin-Konferenz an diesem Dienstag und Mittwoch diskutieren rund 220 Fachvertreter von Forschungs- und Forschungsförderorganisationen aus 34 Ländern über ihre Erfahrungen bei der grundlegenden Transformation im wissenschaftlichen Publikationswesen. „Vor einem Jahr haben wir als gemeinsames Ziel formuliert, Open Access zum Regelfall des Publizierens zu machen. Schließlich ist im digitalen Zeitalter der direkte Zugang zu Fachartikeln entscheidend für wissenschaftlichen Fortschritt und Innovation. Nun liegen erste wegweisende Vertragsabschlüsse mit großen Verlagen vor. Die Konferenz bietet das Forum, die Erfahrungen und verschiedenen Perspektiven auszutauschen. Dass am zweiten Tag Vertreter von vielen wichtigen Verlagen dabei sind, unterstreicht unser Ziel, den Wandel gemeinsam zu gestalten. Der politische Rückhalt in Europa gibt uns zusätzlich Rückenwind“, sagt Max-Planck-Präsident Martin Stratmann. Er bezieht sich dabei auf die Forderung der EU-Wissenschaftsminister, die Umstellung auf Open Access bis zum Jahr 2020 zu erreichen.

Der Mainzer Max-Planck-Direktor Ulrich Pöschl und wissenschaftliche Koordinator für Open Access in der Max-Planck-Gesellschaft erklärt: „Die Initiative OA2020 begründet eine neue Ära in der weltweiten Etablierung von Open Access. Sie zeigt, dass und auf welche Weise Wissenschaftler und Wissenschaftsorganisationen selbst den Hebel in der Hand haben, die Umstellung auf Open Access zu erreichen und zu gestalten. Wir bauen dabei auf die Berliner Erklärung aus dem Jahr 2003 und die daran anknüpfenden internationalen Konferenzen und Kooperationen auf, deren Ursprünge und Motivation aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft kommen.“

Ein grundlegender Bestandteil der Initiative ist die öffentliche Interessenserklärung (Expression of Interest), mit der sich die mitzeichnenden akademischen Organisationen das Ziel setzen, „einen Großteil der heutigen wissenschaftlichen Fachzeitschriften vom Subskriptionsmodell auf OA-Publishing umzustellen”. Dieser Wandel soll erreicht werden, indem die „Mittel, die aktuell für Abonnements von Subskriptionszeitschriften genutzt werden, zur Finanzierung nachhaltiger OA-Geschäftsmodelle eingesetzt werden”. Gleichzeitig sind sich die Unterzeichner einig, dass „weiterhin neue und verbesserte Formen des OA-Publizierens unterstützt werden sollen”.

OA2020 bündelt die Kräfte

Die konkreten Schritte im Transformationsprozess laufen in der Initiative OA2020 zusammen, unterstreicht Ralf Schimmer, der OA2020 gemeinsam mit seinem Team von der Max Planck Digital Library koordiniert. Ein wesentlicher Punkt der 13. Berlin-Konferenz sei es, im Dialog mit allen Beteiligten die Roadmap zur großflächigen Umstellung auf Open Access weiter zu konkretisieren. Ein Baustein dabei ist, das Netzwerk mit nationalen Kontaktstellen aufzubauen, um die Transformation auf allen Kontinenten voranzubringen.

Die Expression of Interest, die im Ergebnis der 12. Berlin-Konferenz im März 2016 veröffentlicht wurde, erhält zunehmende Unterstützung aus aller Welt; sie wurde bereits von mehr als 70 akademischen Organisationen aus Afrika, Asien, Amerika und Europa unterzeichnet. Dazu gehört die European University Association, die mehr als 800 Hochschulen und 36 nationale Rektorenkonferenzen in 47 europäischen Ländern vertritt. Zu den Mitzeichnern aus Deutschland zählen die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Hochschulrektorenkonferenz, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft sowie die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Alexander von Humboldt-Stiftung. Weitere internationale Unterstützung, insbesondere von Universitäten aus den USA, wird  im Zuge der 13. Berlin-Konferenz erwartet. So schlossen sich am Montag die kalifornischen Universitäten Berkeley, Davis und San Francisco der Expression of Interest an.

Livestream vom zweiten Konferenztag

Ulrich Pöschl, der gemeinsam mit Gerard Meijer, Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, die Tagungsleitung innehat, freut sich über diesen wachsenden Rückhalt und sieht darin gleichzeitig eine wichtige Erfolgsbedingung: „Die Umstellung auf Open Access bedarf der gemeinsamen internationalen Initiative. Wenn die akademischen Organisationen koordiniert zusammenarbeiten, können wir einen weitgehend reibungslosen, schnellen und wissenschaftlich-orientierten Übergang erreichen.“

Während der erste Tag der 13. Berlin-Konferenz den Zeichnern der Expression of Interest vorbehalten ist, wird die Konferenz am zweiten Tag für einen breiteren Teilnehmerkreis geöffnet. Eingeladen sind explizit auch Vertreter der Verlage. Die Vorträge und Diskussionen können zudem über einen Livestream auf der Webseite von OA2020 verfolgt werden (von 9 bis 15:15 Uhr).

Aktueller Stand bei Open Access

Das Publizieren per Open Access hat in den letzten zehn Jahren an Fahrt gewonnen und ist in vielerlei Hinsicht erfolgreich etabliert. Sichtbar wird dies beispielsweise durch die Entwicklung von frei zugänglichen Publikationsplattformen, Archiven und Repositorien. So wächst die Zahl an Open Access-Artikeln von Jahr zu Jahr. Mittlerweile sind etwa 15 Prozent der Peer-Review-Fachveröffentlichungen per Open Access zugänglich. Dennoch erscheinen die meisten Fachzeitschriften nach wie vor entsprechend des traditionellen Geschäftsmodells auf Subskriptionsbasis mitsamt der „damit verbundenen Defizite in Bezug auf Zugänglichkeit, Kosteneffizienz, Transparenz und Nutzung“, wie die Expression of Interest herausstellt. Die

Max-Planck-Gesellschaft setzt sich seit der Verabschiedung der „Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen” im Jahr 2003 maßgeblich für die Förderung von Open Access ein. Die Berliner Erklärung wurde inzwischen von mehr als 580 Institutionen und Organisationen weltweit unterzeichnet.