Von der Kernspaltung über Mondstaub zum Ozonloch: 100 Jahre Chemieforschung

Max-Planck-Institut für Chemie startet Jubiläumsjahr mit wissenschaftshistorischem Kolloquium

11.1.2012

2012 wird ein besonderes Jahr für das Max-Planck-Institut für Chemie: Das Mainzer Institut feiert das 100-jährige Bestehen, denn am 23. Oktober 1912 eröffnete das Vorläuferinstitut, das Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie, in Berlin seine Türen. Noch zum Ende des zweiten Weltkriegs verließen die Forscher den Gründungsort und zogen unter ihrem damaligen Direktor Otto Hahn provisorisch auf die Schwäbische Alb. 1949 wurde das Institut für Chemie dann in die Max-Planck-Gesellschaft integriert und fand in Mainz seinen neuen Standort.

Lise Meitner und Otto Hahn im Labor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie in 1913, Bild: Archiv der MPG
Lise Meitner und Otto Hahn im Labor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie in 1913, Bild: Archiv der MPG

Die Forschungsthemen der Chemiker waren in den 100 Jahren mindestens so vielfältig wie ihre Forschungsstätten: Der Untersuchung von Pflanzenfarb-stoffen folgte 1938/39 die Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn, Lise Meitner und Fritz Strassmann. In den 1960er Jahren stand das Institut durch seine Mondforschung im öffentlichen Rampenlicht. Und in den 1980er Jahren festigte der Nobelpreisträger Paul Crutzen mit dem Thema Ozonabbau die Atmosphärenchemie als Forschungsrichtung. Heute beschäftigt sich das Mainzer Institut mit den chemischen Wechselwirkungen zwischen Erde und Atmosphäre.

Neben einer Festwoche im Oktober, bietet das Mainzer Institut in diesem Jahr jeden letzten Donnerstag im Monat ein wissenschaftshistorisches Kolloquium an, in dem die Geschichte schlaglichtartig beleuchtet wird. Betreut wird das Kolloquium durch die Wissenschaftshistoriker Dr. Horst Kant, Berlin und Prof. Dr. Carsten Reinhardt, Bielefeld. Den Auftakt der Reihe macht der amerikanische Historiker Jeffrey Johnson mit einem Vortrag zur Gründung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie.

Wissenschaftshistorisches Kolloquium – Eintritt frei

26.01.2012      Die Gründung und Entwicklung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie in historischer Perspektive
Prof. Dr. Jeffrey Johnson, Villanova, USA

23.02.2012      From Inclusion to Exile: Lise Meitner and the Kaiser Wilhelm Institute for Chemistry
Prof. Dr. Ruth Lewin Sime, Sacramento City, USA                          

29.03.2012      Otto Hahn und das deutsche Uranprojekt
Dr. Horst Kant, Berlin    

26.04.2012      The Architecture of Radioactivity in the early twentieth century
Prof. Dr. Maria Rentetzi, Athens, Greece

31.05.2012      Heinrich Wänke und die Erforschung des Mondes und der terrestrischen Planeten
Prof. Dr. Herbert Palme, Frankfurt  

28.06.2012      Otto Hahn und das Kaiser-Wilhelm Institut für Chemie in Tailfingen
Volker Lässing, Albstadt           

26.07.2012      Von CLAW zu CLAIRE: Biogeochemische Forschung am MPI für Chemie Prof. Dr. Meinrat O. Andreae, Mainz

30.08.2012     Erfindung der Luftchemie – Chrisian Junge
Prof. Dr. Ruprecht Jaenicke, Mainz

27.09.2012      Massenspektrometrie als methodische Klammer: Forschung am KWI / MPI für Chemie von 1938 bis 1970
Prof. Dr. Carsten Reinhardt, Bielefeld