Auszeichnung für Mainzer Wolkenforscherin

Die Physikerin Mira Pöhlker erhält eine Minerva-Fast-Track-Stelle am Max-Planck-Institut für Chemie

Mainz, 25.4.2018

Mira Pöhlker an Bord des Forschungsflugzeugs HALO. Foto: Ulrich Pöschl
Mira Pöhlker an Bord des Forschungsflugzeugs HALO. Foto: Ulrich Pöschl

Um junge Wissenschaftlerinnen auf dem Weg zu einer eigenen Forschungsgruppe zu unterstützen, vergibt die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) jährlich zwei Minerva Fast Track Stellen in der Chemisch-Physikalisch-Technischen Sektion. Aufgrund ihrer hervorragenden Forschungsleistungen erhält in diesem Jahr Mira Pöhlker, die am Max-Planck-Institut für Chemie (MPI für Chemie) in Mainz forscht, eine davon. Sie untersucht die atmosphärischen Prozesse, welche zur Bildung von Wolken und Niederschlag führen, insbesondere die Rolle von Aerosolpartikeln als Wolkenkondensationskerne.

Mira Pöhlker, geb. Krüger, studierte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Physik. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit forschte sie auf dem Gebiet der Elementarteilchenphysik mit ultrakalten Neutronen. Seit 2012 arbeitet sie am MPI für Chemie, wo sie zunächst in der Abteilung Biogeochemie von Meinrat O. Andreae tätig war und 2013 in die neue Abteilung Multiphasenchemie von Ulrich Pöschl wechselte.

Ende 2017 schloss Mira Pöhlker ihre Dissertation zum Thema „Investigation of atmospheric aerosols and cloud condensation nuclei under pristine and polluted conditions” am Max Planck Graduate Center mit der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (MPGC) mit Auszeichnung und der Bestnote „summa cum laude“ ab. Die hervorragenden Ergebnisse ihrer Doktorarbeit und weiterführender Studien wurden in mehr als einem Dutzend Artikeln in führenden internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht.

Mira Pöhlker an Bord des Forschungsflugzeugs HALO zusammen mit Tommy Leder (DLR) beim Überwachen der Messdatensammlung. Foto: Sergej Molleker
Mira Pöhlker an Bord des Forschungsflugzeugs HALO zusammen mit Tommy Leder (DLR) beim Überwachen der Messdatensammlung. Foto: Sergej Molleker

Aktuell leitet Mira Pöhlker ein Projekt zur Messung von Wolkenkondensationskernen an Bord des Forschungsflugzeugs HALO. Durch Kombination der Flugzeugdaten mit bodengestützten Langzeitmessungen im Amazonas-Regenwaldobservatorium ATTO gewinnt sie neue Erkenntnisse über Aerosol-Wolken-Wechselwirkungen in einer weitgehend unberührten Atmosphäre, die eine wichtige Grundlage für die Entwicklung zuverlässiger Atmosphären- und Klimamodelle bilden. „Um genauere Voraussagen über den durch den Menschen versursachten Klimawandel treffen zu können, ist es wichtig zu verstehen, wie atmosphärische und speziell Wolkenbildungsprozesse in der vorindustriellen Zeit abgelaufen sind. Mithilfe von Messdaten aus vom Menschen noch weitgehend unberührten Gebieten, wie dem Amazonas-Regenwald, versuchen wir diese Prozesse zu verstehen“, erklärt die 29-jährige Wissenschaftlerin.

Das Minerva-Fast-Track-Programm bietet eine Förderung für zwei Jahre. Während dieser Zeit plant die Physikerin weitere Untersuchungen mit dem Forschungsflugzeug HALO, am Amazonas-Regenwaldobservatorium ATTO, und am Atlantik-Küstenobservatorium Ragged Point auf Barbados, wobei auch neue Messmethoden zum Einsatz kommen sollen. Die Ergebnisse ihrer Forschungsflüge und bodengestützten Beobachtungen sollen in Atmosphärenmodelle eingebunden und mit Satellitenmessungen verglichen werden, um die Auswirkungen atmosphärischer Aerosole auf die Wolkenbildung quantitativ zu bestimmen. Im Anschluss daran und bei einer positiven Begutachtung der weiteren Forschungsarbeiten kann die Mainzer Wissenschaftlerin einen Antrag auf Gründung einer Max-Planck-Forschungsgruppe stellen.

„Die Minerva-Fast-Track-Stelle ist eine große Auszeichnung für Mira Pöhlker und ihre hervorragenden wissenschaftlichen Arbeiten. Sie bietet ihr eine sehr gute Grundlage für die Weiterführung ihrer Projekte sowie für den Aufbau einer eigenen Gruppe“, freut sich auch Ulrich Pöschl als Direktor am MPI für Chemie.

Mehr zum Minerva Fast Track:
Das Pilotprojekt Minerva Fast Track der Chemisch-Physikalisch-Technischen Sektion gibt hervorragenden Wissenschaftlerinnen nach der Doktorarbeit die Chance einer langfristigen Karriereplanung. Unmittelbar im Anschluss an die Dissertation oder nach der ersten Postdoc-Stelle erfolgt eine Förderung für zwei bis drei Jahre mit dem Ziel, sich im Anschluss für eine themenoffene Max-Planck-Forschungsgruppe zu bewerben. Mehr Infos: https://www.mpg.de/chancengerechtigkeit

Über HALO:
Das Forschungsflugzeug HALO ist eine Gemeinschaftsinitiative deutscher Umwelt- und Klimaforschungseinrichtungen. HALO wurde aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Helmholtz-Gemeinschaft und der Max-Planck-Gesellschaft beschafft. Der Betrieb von HALO wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), dem Forschungszentrum Jülich (FZJ), dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam und dem Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig (TROPOS) getragen. Eigner und Betreiber des Flugzeugs ist das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR).