Klimaarchiv zu Füßen des Kilimandscharos

Ostafrika: Sedimentbohrungen im Challa-See sollen helfen, Daten über die Klima- und Landschaftsveränderungen der letzten 250.000 Jahre zu erhalten.

Mainz, 21.11.2016

Die Bohrplattform auf dem Challa See. Von hier aus drehen sich die Bohrköpfe bis in Tiefen von 210 Metern vor. Foto: Christian Wolff
Die Bohrplattform auf dem Challa See. Von hier aus drehen sich die Bohrköpfe bis in Tiefen von 210 Metern vor. Foto: Christian Wolff

Seit Mitte Oktober herrscht am Kratersee Challa in Ostafrika reges wissenschaftliches Treiben. Ein internationales Team aus Forschern unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Chemie errichtete dort eine schwimmende Plattform, die Erdbohrungen bis auf den Grund des Kraters durchführen soll. Unter der Wasseroberfläche des 92 Meter tiefen Challa-Sees, der zur Hälfte in Kenia und zur anderen Hälfte in Tansania liegt, verbirgt sich in den bis zu 210 Meter dicken Sedimentschichten des Seebodens ein einzigartiges Archiv vergangener Umweltveränderungen Ostafrikas. Dank des sehr guten Zustands dieses Klimaarchives erhoffen sich die Forscher, völlig neue Erkenntnisse über die Klima- und Landschaftsveränderungen der letzten 250.000 Jahre.

Ein Sedimentbohrkern: Die feinen hell-dunklen Lagen entsprechen jeweils einem Jahr. Foto: Christian Wolff
Ein Sedimentbohrkern: Die feinen hell-dunklen Lagen entsprechen jeweils einem Jahr. Foto: Christian Wolff

Das Errichten der Plattform bot zahlreiche Herausforderungen und verlangte dem Team einiges ab. Regelmäßig flogen Helikopter über die teils 100 Meter hohen Kraterwände, die den See wie eine schützende Wand umgeben, um die Bauteile für die spätere Bohrplattform anzuliefern. Zudem bahnten sich Lastenträger beladen mit Rohren, Kabeln und wissenschaftlichem Equipment ihren Weg an den steilen und unwegsamen Kraterwänden hinab. Um die Sedimentablagerungen des Challa-Sees zu erreichen, arbeitete das Team aus 34 Forschungseinrichtungen aus 12 Ländern mit dem International Continental Scientific Drilling Programme (ICDP) zusammen. Seit Mitte November ist die Plattform fertig gestellt und die Wissenschaftler bohren nun in jeweils zwölfstündigen Tag- und Nachtschichten.

„Trotz einiger Anfangsschwierigkeiten sind wir bisher gut vorangekommen und haben mittlerweile eine Tiefe von rund 150 Metern erreicht. Das entspricht Schichten, die sich vor ungefähr 160.000 Jahren abgelagert haben“, erläutert Christian Wolff, Geowissenschaftler am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, den aktuellen Stand der Bohrungen des Projekts DeepChalla.

Per Helikopter wurden die Bauteile für die Bohrplattform angeliefert, da die Felswände, die den See umgeben, größtenteils unpassierbar sind. Foto: Christian Wolff
Per Helikopter wurden die Bauteile für die Bohrplattform angeliefert, da die Felswände, die den See umgeben, größtenteils unpassierbar sind. Foto: Christian Wolff

„Dank der fein laminierten Seeablagerungen finden wir in diesen Bohrkernen eine hohe Informationsdichte über Klima- und Landschaftsveränderungen der letzten 250.000 Jahre vor. Damit schaffen wir es, unser Verständnis der tropischen Klima- und Ökosystemveränderungen und deren Wechselwirkungen mit denen des arktischen und antarktischen Klimas zu verbessern“, so Gerald Haug, Direktor der Abteilung Klimageochemie am MPI für Chemie. Anhand isotopen-geochemischer Untersuchungen an Karbonaten und am organischen Material der Sedimente können die Wissenschaftler herausfinden, zu welchen Zeiten es in der Region trocken oder feucht war.

Ziel des DeepCHALLA Projekts ist es, mithilfe der neuen Ergebnisse bestehende Computermodelle für langfristige Klimaprognosen zu optimieren und die Häufigkeiten von Extremereignissen wie Dürren und Überschwemmungen besser abzuschätzen. Denn diese haben gravierende Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und das Wirtschaftswachstum Ostafrikas.

Noch bis Ende November werden die Wissenschaftler vor Ort sein und mit etwas Glück bis zum Grund des Kraters vorstoßen.