Max-Planck-Institut für Chemie weitet Netzwerk nach Indien aus

Wissenschaftler aus Mainz und Chennai erforschen künftig gemeinsam die gesundheitlichen und klimatischen Auswirkungen von Aerosolen

30. Januar 2013

Deutschland und Indien rücken einander näher: Die Max-Planck-Gesellschaft unterstützt eine Forschungskooperation zwischen Mainz und Chennai. Dr. Sachin S. Gunthe wird die neue Partnergruppe des Max-Planck-Instituts für Chemie am Indian Institute of Technology Madras in Chennai leiten. Der aus Indien stammende Wissenschaftler arbeitete nach seiner Promotion fünf Jahre am Mainzer Institut und forschte dort bei Dr. Ulrich Pöschl über atmosphärische Aerosole, d. h. luftgetragene Schwebstoffe wie Pollen oder Ruß.

Dr. Sachin S. Gunthe (im Bild) leitet die neue Partnergruppe von Dr. Ulrich Pöschl am Indian Institute of Technology Madras in Chennai.

Vor eineinhalb Jahren kehrte der Max-Planck-Forscher Dr. Sachin S. Gunthe in sein Heimatland Indien zurück. Seit seiner Rückkehr arbeitet er als Assistant Professor am Indian Institute of Technology Madras in Chennai in der Abteilung „Environmental and Water Resources Engineering“. Sein Spezialgebiet sind die Wechselwirkungen zwischen Aerosolen, Wolken und Niederschlag und die Beschreibung atmosphärischer Aerosole. Arbeitsgebiete, die auch zum Themenspektrum der Abteilung Multiphasenchemie von Dr. Ulrich Pöschl zählen. Somit waren die besten Voraussetzungen für eine wissenschaftliche Partnerschaft gegeben. „Unser gemeinsames Forschungsziel für die kommenden drei Jahre ist es, biologische Aerosolpartikel und Wolkenkondensationskerne in Abhängigkeit von verschiedenen umwelt- und jahreszeitlichen Bedingungen in Indien zu erforschen. Vor allem wollen wir mehr über ihre klimatischen und gesundheitlichen Auswirkungen wissen“, erläutert Ulrich Pöschl, Direktor der Abteilung Multiphasenchemie am Max-Planck-Institut für Chemie.

„Aerosole biologischen Ursprungs sind eine sehr heterogene Gruppe, sodass sich ein sehr breites Forschungsfeld bietet“, so Sachin S. Gunthe. Aktuelle Studien ließen beispielsweise einen engen Zusammenhang zwischen biologischen Aerosolen und der Wolkenbildung vermuten. „Wir interessieren uns dafür, welche Bedeutung sie für den regionalen Wasserkreislauf haben und wie sich Krankheitserreger mit ihrer Hilfe verbreiten. Schlussendlich möchten wir mit unseren Forschungen ein grundlegendes Verständnis für die Rolle der biologischen Aerosole in der Atmosphäre Indiens erarbeiten“, fasst der indische Forscher zusammen. In die Kooperation eingebunden, ist auch Dr. Viviane Després von der Johannes Gutenberg Universität Mainz, die im Rahmen des interdisziplinären Erdsystemwissenschaften-Forschungszentrums „Geocycles“ verwandte Fragestellungen untersucht.

Die Partnergruppe Pöschl-Gunthe ist die insgesamt dritte ihrer Art am Max-Planck-Institut für Chemie. Mit zwei weiteren indischen Forschergruppen arbeitet die Abteilung Chemie der Atmosphäre, geleitet von Professor Jos Lelieveld, zusammen. Eine davon ist nach erfolgreichem Abschluss Ende 2011 ausgelaufen.

Insgesamt unterstützt die Max-Planck-Gesellschaft derzeit 49 Partnergruppen unter anderem in Indien, China, mittel- und osteuropäischen sowie südamerikanischen Ländern finanziell. Ziel ist es, exzellente Nachwuchswissenschaftler nach ihrem Aufenthalt an einem Max-Planck-Institut als internationale Kooperationspartner zu gewinnen. So sollen gemeinsame Forschungsprojekte auf höchstem Niveau gefördert und gestärkt werden, die für beide Länder von Interesse sind. Voraussetzung für die Einrichtung einer solchen Partnergruppe ist, dass ein aus dem Ausland stammender herausragender Nachwuchswissenschaftler im Anschluss an seinen Forschungsaufenthalt an einem Max-Planck-Institut wieder an einem renommierten und leistungsfähigen Institut seines Heimatlandes arbeitet. Zudem muss er an einem Thema weiterforschen, das im Interesse des vorher gastgebenden Max-Planck-Instituts liegt. Ist die Kooperation einmal geschlossen, besteht sie zunächst für drei Jahre. Bei erfolgreicher Forschungsarbeit, die regelmäßig evaluiert wird, kann sie auf bis zu fünf Jahre verlängert werden.  

Zum Start der neuen Partnerschaft findet vom 6. bis 7. März ein Workshop am Indian Institute of Technology Madras in Chennai statt.

(AR)

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