Bundesministerin Schavan übergibt Forschungsflugzeug

HALO fliegt in größere Höhe, mit längerer Reichweite und mehr Nutzlast, um die Atmosphäre zu analysieren

20. August 2012

Höher, größer, weiter – mit HALO (High Altitude and Long Range Research Aircraft) hebt die europäische Klima- und Umweltforschung ab. Das Forschungsflugzeug ist weltweit einzigartig und soll neue Dimensionen in der Erfoschung der Atmosphäre erschließen. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung Dr. Annette Schavan übergab Halo am 20. August im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Standort Oberpfaffenhofen an die Wissenschaft. Betreiber von Halo ist die Forschungsflugabteilung des DLR. Max-Planck-Forscher werden bei ihren ersten Messkampagnen mit Halo die Wolkenbildung und die Selbstreinigungskraft untersuchen.

Das Forschungsflugzeug HALO.

Ich freue mich, dass wir mit Halo unsere Forschungsmöglichkeiten erweitern und damit einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis unserer Atmosphäre leisten können. Es geht darum, eine belastbare Datengrundlage zu schaffen, um damit  einen wissenschaftlichen Beitrag für die Entscheidungen im Interesse des globalen Klima- und Umweltschutz zu leisten“, so Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR, anlässlich der Übergabe.  Der Festakt im HALO-Hangar wurde gemeinsam mit Bundesministerin Dr. Annette Schavan und Vertretern der mehr als 30 Partner aus Universitäten, Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft und der Leibniz-Gemeinschaft begleitet.

Halo soll aufklären, wie sich die ausgedehnten Wolkensysteme in den Tropen bilden

Wo lässt sich die Atmosphäre und ihren wechselseitigen Einfluss auf unser Leben besser erforschen als in der Atmosphäre selbst? Forschungsflugzeuge ermöglichen Messungen vor Ort und sind für die Klima- und Umweltforschung daher unverzichtbar. Sie schließen die Lücke zwischen den Beobachtungsstationen auf der Erde und den Erdbeobachtungssatelliten im Weltall. Atmosphärenforscher gewinnen ihre Erkenntnisse durch Feldexperimente, Langzeitbeobachtungen an Bodenstationen sowie durch Auswertungen von Satellitendaten. Auch für die Erstellung von genauen Klimaprognosen sind die Wissenschaftler auf zuverlässige Daten angewiesen.

Nach mehreren Jahren Bau, Umbau und Vorbereitung ist Halo für diese Aufgaben jetzt bestens gerüstet. Die Kombination aus Reichweite, Gipfelhöhe, Zuladung und Modifikationsumfang machen das neue Forschungsflugzeug ideal für die zukünftige Atmosphärenforschung. Forscher des Max-Planck-Instituts für Meteorologie wollen mit Halo unter anderem untersuchen, wie sich in den Tropen Wolken bilden. Diese Prozesse besser zu verstehen, ist für Klimaforscher besonders interessant, weil die ausgedehnten Wolkensysteme das Klima stark beeinflussen, aber ebenso stark von ihm beeinflusst werden. Für genaue Klimaprognosen müssen die Wissenschaftler die Wolkenbildung in diesen Breiten also genau modellieren. Auch Atmosphärenforscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz werden Halo nutzen. Sie möchten mit ihren Messungen erforschen, wie der Monsun in Asien die Selbstreinigungskraft der Atmosphäre verändert.

Ein Flugzeug mit Sonderausstattung

Halo basiert auf einem Gulfstream G550 Business Jet. Aufgrund seiner besonders großen Reichweite kann das Flugzeug bis zu zehn Stunden in der Luft bleiben. Dadurch werden alle Regionen der Erdatmosphäre für die Forschung zugänglich – von den Polen bis zu den Tropen und den abgelegenen Regionen über den Ozeanen.

Die maximale Flughöhe von 15000 Meter ermöglicht zudem Messungen im Übergangsbereich zwischen der Troposphäre und Stratosphäre. Die Nutzlast beträgt rund drei Tonnen. Damit übertrifft Halo seinen Vorgänger um ein Vielfaches: Mit der Falcon 20E – das Forschungsflugzeug des DLR, das 2010 die Vulkanasche-Schicht über Europa vermessen hat – konnten die Wissenschaftler bei einer Reichweite von etwa vier Stunden bislang nur Höhen von maximal 12700 Meter erreichen und nicht viel mehr als eine Tonne Nutzlast transportieren.

Das neue Forschungsflugzeug wurde für seinen wissenschaftlichen Einsatz aufwendig umgebaut und erprobt. Halo ist mit zahlreichen Lufteinlässen für Messinstrumente ausgestattet und verfügt über spezielle optische Fenster für Fernerkundungsmessgeräte. In der Kabine können bis zu 15 universelle Gestelle wissenschaftliche Messgeräte aufnehmen. Unter dem Rumpf und unter den Tragflächen können zusätzlich Behälter für wissenschaftliche Instrumente angebracht werden. Eine gesonderte Stromversorgung ermöglicht den Betrieb von Geräten innerhalb und außerhalb der Kabine. Anhand einer eigens entwickelten Sensorik sowie eines fest eingebauten Systems zur Datenerfassung und Datenaufbereitung können die Wissenschaftler auch während eines Fluges bereits Informationen über die Atmosphäre und das Flugzeug selbst erhalten.

Bis 2015 sind mehr als zehn wissenschaftliche Missionen geplant, die nur mit Halo umgesetzt werden können und vom DLR federgeführt oder als Partner unterstützt werden.

Über das Projekt

Halo ist eine Gemeinschaftsinitiative deutscher Umwelt- und Klimaforschungseinrichtungen und wird gefördert durch Zuwendungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft, des Freistaates Bayern, des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ, des Forschungszentrums Jülich, des Karlsruher Instituts für Technologie und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

(DLR/PH)

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