Renommierter Preis für den Supraleitungsforscher Mikhail Eremets

Physiker des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz erhält den James C. McGroddy-Preis für neue Materialien

31. Oktober 2019
Hochdruckforscher Mikhail Eremets. Foto: MPIC, Carsten Costard

Die American Physical Society (APS) verleiht Mikhail Eremets den James C. McGroddy-Preis für neue Materialien des Jahres 2020. Wie die Gesellschaft kürzlich ankündigte, erhält der Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie die Auszeichnung für seine „wegweisenden Untersuchungen von Hydriden, einer neuen Familie von Hoch-Tc-Materialien, und für die Entdeckung von Schwefelhydriden mit einem Tc-Rekordwert“. Tc steht dabei für die kritische Temperatur bzw. Übergangstemperatur, d.h. jene Temperatur, bei der ein Material supraleitend wird.

Zu den wichtigsten Errungenschaften des Hochdruckforschers Mikhail Eremets gehört die Entdeckung von polymerem Stickstoff und neuartigen Materialien mit hoher Energiedichte. Zudem beschrieb er einen transparenten isolierenden Zustand von Natrium sowie leitenden halbmetallischen Wasserstoff. Gemeinsam mit seinem Team entdeckte er die Hochtemperatursupraleitung in Schwefelwasserstoff mit einer kritischen Temperatur von 203 Kelvin (-70° Celsius). In der Folge arbeitete er mit anderen Hydriden und erzielte mit Lanthanhydrid einen Übergangstemperatur-Rekord von 250 Kelvin (-23° Celsius).

Mikhail Eremets absolvierte 1973 das Moskauer Institut für Physikalische Technik und promovierte 1978 am Moskauer Institut der Allgemeinen Physikalischen Akademie der Wissenschaften der UdSSR. Seit 2001 arbeitet er am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, wo er die Arbeitsgruppe Hochdruckchemie und -physik leitet.

Der Physiker erhielt 2017 den Bridgman Award AIRAPT und 2015 die Ugo-Fano-Goldmedaille. Er hat einen Ehrendoktor der Universität Leipzig (2016). Das Forschungsmagazin Nature listete Eremets im Jahr 2015 in seiner Top-10-Liste der bedeutendsten Personen („Ten people who mattered this year”).

Der gebürtige Weißrusse hatte bisher drei Gastprofessuren: von 1996 bis 1998 am Forschungszentrum für Extreme Materialien der Universität Osaka, Japan, 2008 an der ISSP Universität Tokio und 2016 an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Er erhielt ein Advanced ERC Grant (2010) und ist Mitglied der American Association for Advancement of Science, der American Physical Society, der American Geophysical Union, der Scientific Research Society Sigma Xi und des Max-Planck-Graduiertenzentrums mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Der James C. McGroddy-Preis für neue Materialien wird jährlich verliehen, um herausragende Leistungen in der Wissenschaft und Anwendung neuer Materialien anzuerkennen und zu fördern. Dies umfasst neben der Entdeckung neuer Materialklassen die Beobachtung neuartiger Phänomene in bekannten Materialien, die sowohl zu grundlegend neuen Anwendungen als auch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen führen, sowie theoretische und experimentelle Arbeiten, die wesentlich zum Verständnis solcher Phänomene beitragen. Das Preisgeld beträgt 10.000 US Dollar.

Im vergangenen Jahr wurde der Preis an Claudia Felser vom Max-Planck-Institut für chemische Physik fester Stoffe in Dresden gemeinsam mit Bogdan Andrei Bernevig (Princeton University) und Xi Dai (Hong Kong University of Science and Technology) für die Untersuchung von Werkstoffen mit speziellen elektrischen und magnetischen Eigenschaften verliehen.

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