Kosmophysiker Günter W. Lugmair verstorben

Das Max-Planck-Institut für Chemie trauert um ehemaligen Direktor

13. April 2021

Am 1. April 2021 verstarb Günter W. Lugmair im Alter von 81 Jahren in La Jolla, Kalifornien. Der promovierte Physiker, der am 4. Februar 1940 im österreichischen Wels geboren wurde, leitete von 1996 bis 2005 als Direktor die Abteilung Kosmochemie am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. Lugmair trat damals die Nachfolge der Abteilungsleitung von Heinrich Wänke an. Zuvor arbeitete Günter W. Lugmair rund 30 Jahre lang an der Universität von Kalifornien in San Diego.

Günter W. Lugmair ist Anfang April 2021 im Alter von 81 Jahren verstorben.

Günter W. Lugmair gilt als weltweit anerkannter Experte für hochpräzise Isotopenmessungen. Bereits 1974 entwickelte der 34-jährige Lugmair eine massenspektrometrische Methode, um das Alter von Mond- und Meteoritenproben zu bestimmen. Diese sogenannte Samarium-Neodym-Methode zählt heute zu den Standardtechniken, mit denen Gesteine datiert werden. Zusammen mit seinen Mitarbeitern ging Lugmair unter anderem der Frage nach, wie alt das Sonnensystem ist und was Isotope über die Anfänge der Erde verraten. Er schaffte es, eine bestimmte Variante des Elements Samarium (das sogenannte Samarium-146) in Meteoriten nachzuweisen und so Details über die Frühgeschichte des Sonnensystems aufzudecken. Auch gelang es ihm, eine zu diesem Zeitpunkt einmalige Präzision bei der Bestimmung der Isotopenzusammensetzung verschiedener chemischer Elemente in Sternen zu erreichen. Mithilfe seiner sogenannten „radioaktiven Uhren“ konnte er sogar das Alter des Sonnensystems auf 4,568 bis 4,571 Milliarden Jahre eingrenzen. Lugmair nutzte dazu das Verhältnis von Uran – Blei und Mangan 53 – Chom-53. Darüber hinaus konnte er nachweisen, dass die Isotopenzusammensetzung des Chroms in Sedimentproben aus der geologischen Kreide-Tertiär-Grenze anders als sonst auf der Erde ist. Dies erklärte Lugmair durch den Einschlag eines Asteroiden, was vermutlich maßgeblich zum Massenaussterben vor ca. 65 Millionen Jahren auf der Erde beigetragen hat.

„Spürnasen“ für den Mars entwickelt: Lugmairs Spektrometer

Zu den Schwerpunkten seiner Abteilung am MPI für Chemie zählte im Rahmen der Planetenforschung die Marsforschung. Ein besonderes Highlight seiner Karriere ereignete sich 2004, als zwei Alpha-Röntgen-Spektrometer (APXS), die in Lugmairs Abteilung entwickelt worden waren, ihren Platz an Bord der beiden NASA-Rover „Spirit“ und „Opportunity“ fanden. Unter dem Spitznamen „Spürnasen“ bekannt, sendeten die beiden Spektrometer Daten über die chemische Zusammensetzung der Marsgesteine an die Erde. Unter anderem fanden sie dabei Beweise für die wasserreiche Vergangenheit des roten Planeten.

In seiner wissenschaftlichen Karriere veröffentlichte Günter W. Lugmair zahlreiche Publikationen in angesehenen Magazinen und erhielt viele Preise und Auszeichnungen. Darüber hinaus war er Mitglied in wichtigen wissenschaftlichen Gesellschaften und Gremien. Im Jahre 2000 erhielt er die Leonard-Medaille der Meteoritical Society, die wichtigste Auszeichnung der Meteoritenforscher. Eine der letzten Ehrungen erhielt Lugmair 2007 von der internationalen Geochemical Society, die ihm für seine Entdeckungen in der Geo- sowie in der Kosmochemie die Viktor-Moritz-Goldschmidt-Medaille verlieh.

Durch seine großzügige und freundliche Art trug Günter Lugmair maßgeblich zum positiven und motivierenden Arbeitsklima am MPI für Chemie bei. Nach seiner Emeritierung 2005 ging er zurück an die Universität in San Diego und führte dort seine Forschungsgruppe weiter.

 

Wissenschaft, Musik und Me(e)hr

Günter Lugmair war lebenslang ein begeisterter Trompetenspieler in einer Jazz-Band.

Günter Lugmair war ein hervorragender Wissenschaftler und ein großes Vorbild für den akademischen Nachwuchs. Er selbst hatte in dem amerikanischen Nobelpreisträger Harold C. Urey seinen Mentor gefunden, für den er mehrere Jahre lang arbeitete und der ihn für seine wissenschaftliche Laufbahn inspirierte.

Abseits der Wissenschaft schlug Günter Lugmairs Herz besonders für Musik und den Segelsport. Schon in jungen Jahren spielte er Trompete in einer Jazz-Band und tat dies sein Leben lang. Eines seiner Lieblingsstücke war die vierte Symphonie von Bruckner. Als Teenager entdeckte er auf dem österreichischen Mondsee seine Leidenschaft für das Segeln. Nachdem er an die Universität von Kalifornien berufen worden war, setzte er seine Segeltouren im Nordpazifischen Ozean vor San Diego fort.

 

 Wissenschaftliche Preise und Mitgliedschaften (Auswahl):
•    NASA Group Achievement Award-Planetary Materials Curation Team (1983)
•    George P. Merrill Award of the National Academy of Sciences of the USA (1987)
•    Fellow of the Meteoritical Society (1980)
•    George P. Merrill Award, US Nat. Acad. of Science (1987)
•     Geochemistry Fellow of the Geochemical Society and the European Association of Geochemistry (1997)
•    2000 Member of the Academia Europaea
•    2000 Fellow, American Geophysical Union
•    2000 Leonard Medal of the Meteoritical Society
•    2007 Viktor-Moritz-Goldschmidt Medaille der Geochemical Society
•    Member American Association for the Advancement of Sciences.
•    2018 “Albert Nelson Marquis Lifetime Achievement Award” des amerikanischen Verlags „Marquis Who's Who“: https://www.24-7pressrelease.com/press-release/459267/guenter-w-lugmair-phd-presented-with-the-albert-nelson-marquis-lifetime-achievement-award-by-marquis-whos-who



Kondolenzbeiträge

Für Kondolenzbeiträge nutzen Sie bitte dieses Formular. Diese werden in Kürze hier veröffentlicht.


Peter Hoppe, Max-Planck-Institut für Chemie:

Mit Bestürzung und Trauer habe ich vom Tod von Günter Lugmair erfahren. Ich werde Günter als großzügigen und respektvollen Chef, Mentor und Freund in bester Erinnerung behalten. Ich werde ihm für immer dankbar sein, dass er mir die großartige Möglichkeit eröffnet hat, am Max-Planck-Institut für Chemie zu forschen. Insbesondere sei diesbezüglich die Anschaffung einer NanoSIMS-Ionensonde für das MPI erwähnt, die es ermöglicht hat, neue wissenschaftliche Fragestellungen in vielen Disziplinen anzugehen. Mit seinen hohen Ansprüchen an Genauigkeit und fortwährende Weiterentwicklung bei der Anwendung massenspektrometrischer Methoden in der Kosmochemie und den Geowissenschaften war er mir und anderen immer ein Vorbild bei der Gestaltung eigener Forschungsaktivitäten. Mit Günter Lugmair verlieren wir einen großartigen Wissenschaftler und Menschen. Mein Mitgefühl gilt seiner Frau und der Familie.


 

The Meteoritical Society:

 https://meteoritical.org/news/gunter-w-lugmair-1940-2021


Gerhard Schmidt

I feel honored and blessed to have known you. Most of all, I thank you for your support from 2003 to 2005. I express my sincere sympathy to your family.

 

 

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