Neue Emmy Noether-Nachwuchsgruppe: Wann kam Fleisch auf unseren Speiseplan?

Mainzer Geochemikerin wird mit 1,3 Mio. Euro die Ernährungsweise der menschlichen Vorfahren erforschen

24. Juni 2021

Für ihre Forschung zu Beginn und Entwicklung des Fleischkonsums früher Hominini erhält Dr. Tina Lüdecke von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eine Förderung von mehr als 1,3 Millionen Euro. Mit der Forschungssumme baut Lüdecke ihre eigene Emmy-Noether Nachwuchsgruppe am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie (MPIC) auf. Unter Lüdeckes Leitung wird die Gruppe ab September in den kommenden sechs Jahren untersuchen, wann Fleisch auf den Speiseplan der als Hominini bezeichneten Vorfahren des Menschen kam, und wie sich der Verzehr entwickelte.

Geochemikerin Dr. Tina Lüdecke hält einen zwei Millionen Jahre alten Backenzahn eines Elefanten aus Malawi in den Händen.

„Die Veränderung der Ernährung und insbesondere der Verzehr tierischer Produkte wird als Schlüsselereignis für die menschliche Evolution und den Erfolg der Gattung Homo angesehen. Bislang fehlen jedoch direkte Nachweise für diese Annahme. Ich möchte die Wissenslücke über den Beginn und die Entwicklung des Fleischkonsums früher Hominini schließen“, erläutert Tina Lüdecke, die bereits seit 2019 in der Abteilung Klimageochemie des MPIC forscht. Dazu wird die 37-Jährige eine neue Forschungsgruppe bestehend aus einem Postdoc und zwei Doktoranden aufbauen. Zuvor war Lüdecke am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt tätig.

Die Geochemikerin plant, mit Hilfe von Stickstoffisotopen-Analysen aus fossilen Zähnen den Fleischkonsum unserer unmittelbaren Vorfahren, also der Gattung Homo, aber auch der ausgestorbenen Menschenaffen Australopithecus, Paranthropus und Kenyanthropus systematisch zu rekonstruieren. Diese Vor- und Frühmenschen lebten vor 4,2 Millionen bis 1,4 Millionen Jahren im ostafrikanischen Graben des heutigen Äthiopiens, Kenia und Malawi, und in der südafrikanischen Wiege der Menschheit. Mithilfe von Isotopenanalysen des Zahnschmelzes lässt sich auch nach so langer Zeit ermitteln, wie sich Lebewesen ernährt haben.

Tina Lüdecke erklärt: „In diesem Zeitraum fand eine kritische Periode klimabedingter, überregionaler Umweltveränderungen statt. Diese neuen Daten werden wesentlich zu unserem Verständnis beitragen, welche Gruppen unserer frühen Vorfahren wie, wann und wo ihre Ernährungsweise angepasst haben.“

Erste Kampagnen geplant

Im ersten Schritt will Lüdecke sich darauf konzentrieren, Proben in Äthiopien, Kenia, Malawi und Südafrika zu sammeln. Bereits Anfang nächsten Jahres soll es losgehen. Dann will Lüdecke mit ihrem Team fossile Zähne von Pflanzenfressern, Fleischfressern und Allesfressern aus den Sammlungen afrikanischer Museen anbohren und untersuchen. Damit will sie die Stickstoffisotopensignaturen von Tieren der damaligen Zeit bestimmen, von denen die Ernährungsweise bekannt ist. Die gewonnenen Erkenntnisse werden den Forschenden als Vergleichsbasis für die Ernährungsgewohnheiten der Vormenschen dienen, welche dann im nächsten Schritt beprobt und analysiert werden.

Über das Emmy Noether-Programm

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert mithilfe des Emmy Noether-Programms besonders qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler über einen zusammenhängenden Zeitraum von sechs Jahren. Es soll ihnen damit ermöglicht werden, die Voraussetzungen für eine Berufung als Hochschullehrerin bzw. Hochschullehrer zu erlangen. Voraussetzung für die Bewerbung sind u. a. ein hervorragender Promotionsabschluss sowie Veröffentlichungen in international hochrangigen Zeitschriften.

Zur Redakteursansicht