Wissenschaftliches Lebenswerk geehrt 

Dr. Klaus Peter Jochum vom Max-Planck-Institut für Chemie erhält höchste Auszeichnung der International Association of Geoanalysts (IAG) 

29. September 2021

Die International Association of Geoanalysts (IAG) hat Dr. Klaus Peter Jochum für seine jahrelange Arbeit und zahlreichen herausragenden Beiträge in der geoanalytischen Forschung mit der besonderen Ehrung eines Honorary Fellowship ausgezeichnet. „Diese höchste Auszeichnung wird nur an herausragende Wissenschaftler verliehen. Sie würdigt den enormen Beitrag, den Jochum im Laufe seines Lebens zur geoanalytischen Wissenschaft geleistet hat“, betonte IAG Vize-Präsidentin Dr. Regina Mertz-Kraus bei der Verleihung. Den noch geltenden Corona-Beschränkungen geschuldet fand die Verleihung nicht wie üblich im Rahmen der internationalen Geoanalysis-Konferenz in Freiberg statt, sondern– halb digital, halb präsent – in der Wirkungsstätte Klaus Peter Jochums, dem Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz.

IAG Vize-Präsidentin Dr. Regina Mertz-Kraus verlieh Dr. Klaus Peter Jochum für seine jahrzehntelange engagierte Arbeit die Ehrenmitgliedsurkunde.

Die via Zoom zugeschaltete IAG-Präsidentin Prof. Jacinta Enzweiler von der University of Campinas in Brasilien dankte Dr. Klaus Peter Jochum für seine jahrzehntelange engagierte Arbeit. IAG Vize-Präsidentin Regina Mertz-Kraus vom Institut für Geowissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz überreichte ihm stellvertretend die Ehrenmitgliedsurkunde: „Dr. Klaus Peter Jochums langjährige Forschung im Bereich geoanalytischer Methodenentwicklung und Referenzmaterialien aber auch sein Engagement in der Förderung junger Wissenschaftler deckt sich hervorragend mit den Aufgaben und Zielen der IAG.“

„Meine wissenschaftliche Karriere begann vor über 50 Jahren mit der Analyse von Meteoriten und Mondproben. Im Laufe der Jahre entwickelte sich mein Forschungsgebiet weiter: von der Geochemie des Erdmantels und der Biogeochemie hin zur Paläoklimaforschung, bei der ich mich heute vor allem der Erforschung von Foraminiferen widme. Mein Dank gilt den Direktoren des MPI für Chemie, die mich in meinen Forschungsthemen stets unterstützt haben: Heinrich Hintenberger, Friedrich Begemann, Albrecht Hofmann, Meinrat Andreae und Gerald Haug“, hob Klaus Peter Jochum in seiner Rede hervor. Sein besonderes Engagement galt schon immer der Entwicklung und Verbesserung analytischer Methoden zur Charakterisierung von Probenmaterial. So kam Jochum schließlich zur IAG: „Durch meine IAG-Mitgliedschaft durfte ich viel über die Metrologie, also die Wissenschaft des Messens, lernen“, resümierte Jochum, der im Jahr 2000 erstmals an einer Geoanalysis Konferenz teilgenommen hatte und seitdem keines der Treffen verpasste und sich für die IAG viele Jahre als Councilmitglied aktiv engagierte.

Dr. Klaus Peter Jochum ist mit der besonderen Ehrung eines Honorary Fellowship der International Association of Geoanalysts (IAG) ausgezeichnet worden.

Handwerkzeug für eine zuverlässige Geo- und Umweltforschung entwickelt

Klaus Peter Jochum entwickelte im Rahmen seiner Tätigkeit am MPI für Chemie verschiedene geoanalytische Verfahren wie z. B. die Multi-Element-Isotopenverdünnungsanalyse unter Verwendung der Spark Source Mass Spectrometry (SSMS) in Zusammenarbeit mit H.-J. Knab sowie die Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma (ICP-MS) mit Matthias Willbold. In Kooperation mit Ralf Schiebel etablierte er das single-shot Verfahren mit Femtosekunden-Laserablationsmassenspektrometrie (fs-LA-ICPMS).
Zudem entstanden unter Klaus Peter Jochums Leitung die heute international verwendeten und seit 2000 zertifizierten MPI-DING Referenzgläser, um die Richtigkeit der Analysenergebnisse zu verbessern. Mit der Etablierung der Mikro- und Nanospurenelementanalyse von Festkörpern reichten die bis dahin verwendeten Referenzmaterialien für geologische und umweltrelevante Forschungen nicht mehr aus, da es wenige nach ISO Richtlinien zertifizierten homogenen Proben gab. 

Dr. Klaus Peter Jochum in seinem Labor im alten Gebäude des Max-Planck-Instituts für Chemie in den 1990er Jahren. Mithilfe des Spark Source Massenspektrometers, das im Hintergrund zu sehen ist, analysierte Jochums Forschungsteam damals vor allem Ozeaninselbasalte, wie diejenigen von Hawaii, aber auch noch Mondproben.

Die MPI-DING Gläser dienen als Referenzproben für die mikroanalytische Untersuchung von extraterrestrischem Material und Foraminiferen, zur Analyse von Ozeanbodenproben, zur Bestimmung von Verunreinigungen in Glasschwämmen, zur Isotopenanalyse von kleinsten Schmelzeinschlüssen in Hawaiibasalten oder zur Herkunftsbestimmung archäologischer Proben. „Die Referenzgläser wurden seit 1995 über 600 Mal auf Anfrage weltweit verschickt. In fast 1.000 Publikationen werden unsere MPI-DING Gläser zitiert“, erzählt Brigitte Stoll, langjähriges Mitglied in der Arbeitsgruppe Jochum.

Datenbank GeoReM aus der Taufe gehoben

Klaus Peter Jochum ist darüber hinaus der Gründungvater einer einmaligen Datenbank für Referenzproben, GeoReM (Geological and Environmental Reference Materials). „In die Literaturrecherche, Dateneingabe und Kontrolle habe ich viel Zeit und Kraft investiert“, erinnert sich Jochum. Die Datenbank ist im Internet frei zugänglich. Sie enthält die veröffentlichten Daten von nahezu allen Referenzmaterialien unterschiedlichster Beschaffenheit und Eigenschaften, die für eine zuverlässige Analytik in der Geo- und Umweltforschung wichtig sind. „Zahlreiche HIWIs unterstützten uns beim Aufbau der Datenbank und haben dabei viel über analytische Verfahren und Referenzmaterialien gelernt“, ergänzt Ulrike Weis, die unter anderem in der Gruppe Jochum für den technischen Support von GeoReM zuständig ist.

Bei der halb digitalen, halb präsenten Verleihung des Honorary Fellowship der IAG.

Neben all diesen wissenschaftlichen Herausforderungen in seiner langen Karriere am Max-Planck-Institut für Chemie, in das er nach vorangegangenen Stipendien 1972 als festangestellter Forscher eintrat, engagierte sich Klaus Peter Jochum fortwährend für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Viele Doktoranden, Postdocs, Diplomanden und Masterstudenten aber auch Praktikanten und GirlsDay-Teilnehmerinnen sowie „Jugend forscht“-Preisträger hat er in seinem Labor und Team willkommen geheißen und ausgebildet. 

Gerald Haug, Abteilungsdirektor der Klimageochemie, hob deshalb auch in seiner Rede hervor: „Wissenschaftliche Neugier und Offenheit für Neues zeichnen Klaus Peter Jochum auch nach über 50 Jahren in der Forschung noch aus. Er ist bis heute immer aufgeschlossen für Anfragen auch aus fremden Fachgebieten, wie der Archäologie, Biologie oder Medizin und immer bereit, Neues zu entdecken.“
 

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