Forschung im Regenwald

Station 14

Modell des Forschungsturms ATTO, der nördlich von Manaus im brasilianischen Regenwald entstehen soll. Foto: S. Benner

Das Amazonas-Gebiet in Südamerika ist nicht nur eine der artenreichsten Regionen auf der Erde. Der Regenwald ist mit mehr als sieben Millionen Quadratkilometern auch das größte zusammenhängende Waldgebiet.

Erst vor wenigen Jahren entdeckte man, dass der Regenwald seine Wolken selbst macht. Ursache sind Aerosole - winzige Partikel, die zum größten Teil aus organischem Material bestehen und die als Kondensationskeime für Wolken dienen. Die Partikel werden von den Urwald-Pflanzen an die Luft abgegeben werden. Im Umkehrschluss bedeutet das: kein Wald, kein Regen mehr.

Seit vielen Jahren finden regelmäßig Messkampagnen des MPI für Chemie im Urwald statt. Sie dienen nicht nur zum Verständnis, wie Wolken auf natürliche Wiese entstehen, sondern auch als Referenzpunkt, wie der Mensch die Bildung von Wolken und Niederschlag beeinflusst.

Neben Aerosolen und ihrem Einfluss auf das Klima bietet der Amazonas-Wald eine Vielzahl weiterer Forschungsthemen: Die Forscher werden seinen Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf genauer analysieren, den Austausch von Treibhausgasen und reaktiven Spurengasen zwischen Böden/Vegetation und Atmosphäre untersuchen und den Einfluss von Vegetationsbränden auf Ökologie und Luftverschmutzung ermitteln.

Blick über den Amazonas Regenwald. Bild: C. Pöhlker



300 Meter über dem Regenwald

Exponat 14: Modelle von ATTO

Messturm im brasilianischen Regenwald. Bild: MPI für Chemie
Unter dem Namen „ATTO“, dem Amazonian Tall Tower Observatory, startete 2009 ein deutsch-brasilianisches Gemeinschaftsprojekt, koordiniert vom MPI für Chemie, das wegweisende Erkenntnisse und Grundlagen für verbesserte Klimamodelle liefern soll. Mit einer Höhe von 325 Metern ragt der Turm über die bodennahe Grenzschicht hinaus und liefert Informationen von rund 100 Quadratkilometern aus dem größten zusammenhängenden Waldareal der Welt.

Das Amazonas-Gebiet hat globale Bedeutung: es produziert große Mengen Sauerstoff, hat über seine Verdunstung einen enormen Einfluss auf den Wasserkreislauf und stabilisiert das Klima.

ATTO ist Gegenstück zu dem 2006 fertig gestellten Turm ZOTTO sein, der in den Weiten Sibiriens steht und an dem das MPI für Chemie ebenfalls beteiligt ist. Die Kosten für den Bau des Turms, der in ein bereits bestehendes Netzwerk von kleineren brasilianischen Messtürmen integriert ist, sowie für die ersten fünf Betriebsjahre von ATTO betragen rund 8,4 Millionen Euro. An der Finanzierung beteiligen sich Deutschland und Brasilien zu gleichen Teilen.

Von deutscher Seite erfolgte die Projektkoordination in der Startphase 2010 bis 2017 durch Prof. Dr. J. Kesselmeier in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. M.O Andreae am MPI für Chemie, seit 1.6.2017 durch Frau Prof. Dr. S. Trumbore vom MPI für Biogeochemie, Jena, in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. U. Pöschl vom MPI für Chemie. Aktuelle Informationen: www.attoproject.org

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